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Warum schweigt Rechnitz?

by - April 19, 2010

Um etwas zu verstehen, muss man sich darüber informieren. Kaum einer von uns wusste, bis vor einigen Tagen, wirklich, was damals, 1945, in Rechnitz passiert ist. Ein Zeitungsartikel aus dem Profil, und ein weiterer aus der Presse, halfen uns, besser zu verstehen. Es wurde erklärt, was in dieser Nacht geschah. Und wir erfuhren auch, dass die Rechnitzer, bis heute, zu diesem grauenhaften Massenmord schweigen. Keiner hat was gesehen, keiner weiß etwas. Wir haben unsere Gedanken und Gefühle aufgeschrieben und fragen uns: wieso wird dieser schreckliche Vorfall verschwiegen? Wen oder was fürchten die Rechnitzer so sehr, dass, bis heute, keiner den Mut hat, das Schweigen zu brechen?
Wer versetzt diesen kleinen Ort (siehe Straßenkarte) dermaßen in Schrecken?

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13 Kommentare
  1. Täschi permalink

    Bis vor zwei Monaten hatte ich vom Ort Rechnitz nie gehört und ebenso unbekannt war mir der Vorfall vom März 1945, bei welchem 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter grundlos auf grauenhafte Weise erschossen wurden.
    Nachdem unsere Deutschlehrerin mich über dieses Thema aufgeklärt und einen Workshop dazu organisiert hatte, nahm ich mir die Zeit und setzte mich etwas intensiver mit diesem Thema auseinander, um die genaueren Hintergründe zu verstehen, wurden die Täter zur Verantwortung gezogen, wer waren die Opfer, wie wird ihrer gedacht.
    Momentan arbeiten wir dieses heikle Thema noch aus und ich bin auf unsere Erkenntnisse und auf die Grenzen, auf die wir stoßen werden, gespannt und freue mich auf eine Zusammenarbeit mit unseren Betreuern.

  2. Billie permalink

    Bevor wir das Thema „Rechnitz“ im Deutschunterricht angesprochen haben, habe ich, ehrlich gesagt, noch nie davon gehört gehabt.
    Mittlerweile, nach einigen Recherchen, bin ich allerdings schon wirklich fasziniert von diesem Thema und möchte den Ort, an dem diese furchtbaren Ereignisse stattgefunden haben, einmal mit eigenen Augen sehen.
    Ich finde es allerdings schrecklich, dass die Einwohner von Rechnitz einfach alle Vorfälle „totschweigen“, weil das dazu führt, dass man niemals die wahren Fakten kennen wird. Meiner Meinung nach ist es heutzutage sowieso schon schwer genug, überhaupt irgendwelchen Hinweisen nachzugehen, da die meisten Zeitzeugen wahrscheinlich schon verstorben sind.
    Eine andere Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist, wie es möglich sein kann, dass man bei dem heutigen Stand der Technik die Gräber der Opfer einfach nicht findet. Für mich ist es einfach unvorstellbar und ich denke, dass man diese Gräber, wenn man es wirklich wollte, auch finden könnte.
    In mir wechseln Faszination und Wut, wenn ich über dieses Thema nachdenke. Faszination, weil ich wirklich wissen will, was genau in Rechnitz geschehen ist, und Wut, weil ich einfach nicht fassen kann, wie man anderen Menschen solche Grausamkeiten antun kann.

  3. Kenny permalink

    Als ich mich zum ersten Mal mit dem Thema „Rechnitz“ auseinander gesetzt habe und ich die schrecklich Tatsache erfahren habe, dass in jener Nacht 180 jüdisch-ungarische Zwangsarbeiter einfach so zum Spaß von Nazis erschossen wurden, stellte ich mir die Frage, wie so etwas bloß passieren konnte. Das Schlimmste ist, dass sich niemand etwas zu sagen getraut hat – damals nicht und auch jetzt weiß man nicht viel mehr darüber. Das Massengrab dieser 180 Opfer ist immer noch unauffindbar – etwas, das für mich unerklärlich ist. Wie kann es sein, dass es nicht einmal mit der heutigen Technologie auffindbar ist? Wie kann es sein, dass sich keiner darüber äußert? Ist das alles etwa schon in Vergessenheit geraten? Vieles ist für mich unverständlich und wird es wahrscheinlich auch bleiben, da, je mehr Zeit vergeht, immer mehr Zeugen sterben und diese ihr Wissen mit ins Grab nehmen werden. Werden wir je mehr darüber erfahren? Wird eines Tages dieses verschwundene Massengrab wieder auftauchen? Viele Fragen gehen mir durch den Kopf, und die Antworten stehen in den Sternen.
    Die Dokumente (Zeitungsartikel aus dem Profil und der Presse und http://www.kreuzstadl.net), die wir zu lesen bekamen, haben alle diese Gefühle und Fragen verstärkt und es ist wirklich deprimierend zu wissen, dass dies alles doch nicht auf meine Fragen antwortet. Was mich aber am allermeisten wundert, ist die schreckliche, undenkbare Tatsache, dass all dies wirklich passiert ist, in unserer Welt, in unserer Zivilisation. Was hat die Menschen dazu verleitet etwas Derartiges zu tun? Wie konnten wir so weit sinken?
    Es kann ja schließlich nicht sein, dass alle Anwesenden bei diesem Grauenspektakel sadistisch veranlagt waren. Aber selbst wenn manche Nazis dazu gezwungen wurden… Wie weit kann ein Mensch gehen und das alles noch mit seinem Gewissen vereinbaren?

  4. Bella permalink

    Informationen über die NS-Zeit haben wir heutzutage reichlich. Es gibt viele Bücher, Texte, Stücke, Filme, Dokumentationen und die Zeitzeugen, die uns die erschütternden Fakten und Geschehnisse schildern. Die damalige Generation weiß also ziemlich genau, worum es geht, spricht man über die damalige Zeit. Nachdem man auch im Unterricht darüber gelernt hat, ist das Thema also, zum Glück, bekannt. Wie jeder damit umgeht, ist hingegen verschieden. So mancher verdrängt, was er erfahren hat, manche denken stundenlang nach, manche trifft es mehr, manche weniger, aber in einem Punkt sollten sich alle einig sein: was geschehen ist, ist nicht allzulange her (mittlerweile 65 Jahre seit Kriegsende) und ist nicht nur im Ausland passiert, sondern in den Straßen und Gassen, in denen wir selbst uns tagtäglich bewegen.
    Ein gutes Beispiel dafür ist Rechnitz. Gerade einmal hundert Kilometer entfernt, hat eine Schar betrunkener österreichischer Nazi“größen“ 180 Menschen getötet, weder weil sie dazu gezwungen wurden, noch aus Versehen, sondern schlicht und einfach weil es ihnen Spaß gemacht hat. So wie die Krönung zu Silvester das Feuerwerk um Mitternacht ist, so war das Massaker an den ungarischen Juden die Krönung der Nazi-Party. Dieser Faktor multipliziert das Grausame an dieser Geschichte. Nur ist Rechnitz in diesem Fall nicht das einzige Geschehen, das gewalt-süchtigen Nazis Spaß gemacht hat. Es gibt leider in jedem Krieg eine Anzahl von Menschen, die Spaß daran finden, andere umzubringen.
    Das, was das Geschehen in Rechnitz allerdings besonders schrecklich macht, ist, dass die Bewohner dort sich sogar heute noch schlichtweg weigern, darüber zu sprechen. Dass die Leute kurz nach dem Krieg noch Angst hatten, und manchmal noch nicht so viel über alle Verbrechen der Nazis wussten, ist noch einigermaßen verständlich. Aber spätestens, als die ganze Welt über die Judenmorde, die Konzentrationslager, etc, Bescheid wusste, hätten die Bewohner ihren Mund öffnen können, sollen. Dass der Mord eines Zeugen, der gegen die Judenmörder jener Nacht aussagen wollte, die anderen Zeugen zum Schweigen bringt, sehe ich ein. Doch was kann passieren, wenn ein ganzer Ort aufhört zu schweigen? Ich denke nicht, dass ein ganzer Ort getötet werden kann, indem man es wie einen Unfall aussehen lässt. Wer auch immer nicht möchte, dass dieses Massengrab gefunden wird, kann vielleicht einen einzelnen Gegner schlagen, aber sicherlich nicht einen ganzen Ort. Angenommen, morgen erzählt ein Dutzend Rechnitzer von damals, entweder, weil sie es noch miterlebt haben, oder die Information zum Beispiel von ihren Eltern haben, was soll ihnen dann schon passieren? Wenn Presse und Medien heute davon erfahren, ist es eher unwahrscheinlich, dass alle, die ausgesagt haben, „zufällig“ umkommen. Bei einer Person wird oft weggeschaut, aber bei mehreren? Dafür ist natürlich ausschlaggebend, dass einige Rechnitzer, bzw. ehemalige Bewohner des Ortes, noch Informationen besitzen.
    Dass das Grab nicht auffindbar ist, hat meiner Meinung nach einen Grund, und dieser sollte nicht verheimlich werden. Jeder Mensch hat das Recht auf eine Bestattung, gleichgültig, welcher Religion er angehört oder wie er verstorben ist. Genauso wie jede Familie das Recht hat, vor einem Grab stehen zu dürfen, um zu trauern. Man kann den Tod eines Menschen natürlich nie rückgängig machen, jedoch kann man ein Verbrechen zugeben und den Opfern eine letzte Ehre erweisen. Dies hat weniger mit Religion zu tun, sondern mit Moral. Dieses Grab zu finden würde ein Zeichen setzen, und zwar, dass auch heute nicht vergessen werden darf, was damals verbrochen wurde, in unserem eigenen Land, in unseren Städten und Orten, von der Bevölkerung unseres Landes.
    Für mich ist es daher unverständlich und inakzeptabel, dass die Menschen dieser burgenländischen Gemeinde eiskalt schweigen… bis sie ihr Geheimnis irgendwann ins Grab mitnehmen. Falls es soweit kommt und die Familien der Geheimnisträger an derem Grab stehen und trauern, dann hoffe ich, dass diese sich darüber im Klaren sind, dass dieses Schweigen dazu beigetragen hat, dass andere Familien dieses „Privileg“ nicht haben können.

  5. Kathy permalink

    In Rechnitz geschah eines der vielen unaussprechlichen Verbrechen des Hitler Regimes. 180 jüdische Zwangsarbeiter wurden ermordet. Die NS-Prominenz and angeschlossene Verbrecherorganisationen feierten dazu ein Fest und brachten diese unschuldigen Juden, sozusagen als „krönenden Abschluss“ des Abends, um.
    Es ist einfach grausam und man kann es sich nicht einmal in seiner schlimmsten Fantasie vorstellen, dass Menschen zu so etwas fähig sind. Und doch haben sie es getan. Die SS-Täter sahen die Juden auch gar nicht mehr als „Menschen“, sondern als Kreaturen, die so schnell wie möglich beseitigt werden müssen.
    Das Erschreckende ist, dass in diesem Ort heute noch Schweigen herrscht und man sich dieser dunklen Geschichte von Rechnitz nicht stellen will.
    Keiner will darüber reden, nicht einmal die jüngere Generation, als wäre es das größte Tabuthema. Denn nach dem Krieg wurden die Bewohner von Rechnitz bedroht, sie sollten nie jemandem etwas preisgeben. Die Bewohner von Rechnitz sind traumatisiert. Sie müssen mit diesem „Druck“ und der Angst leben. Sie fühlen sich vielleicht auch jetzt noch von den noch lebenden Nazis und den Neo-Nazis verfolgt?

  6. Sarah permalink

    Ich denke, dass jeder Mensch mit Herz beim Lesen dieser Artikel dasselbe empfindet.
    Es ist einfach schockierend zu erfahren, wie leichtfertig so vielen Menschen das Leben auf eine derart grausame Art und Weise genommen wurde.
    Doch das Schlimmste daran ist, dass diese Tat nur aus einer Laune heraus vollbracht wurde, sozusagen als ein “ Party-Gag“.
    Wie unmenschlich kann jemand sein, so eine Tat als Spaß zu betrachten? Und wie kann es einem Spaß machen so viele Menschen auf dem Gewissen zu haben und diesen auf brutalste Weise das Leben genommen zu haben?
    Ich werde das nie nachvollziehen können . Es waren immerhin unschuldige Menschen, welche wortwörtlich bis auf ihre Knochen gedemüdigt und erniedrigt wurden. Sie hatten keine Macht zu widersprechen, geschweige denn sich zu wehren. Sie mussten einen mehr als nur qualvollen Tod erleiden.
    Es ist erschreckend zu wissen, dass es überhaupt so eine Art von Menschen auf der Welt gibt, die zu einer solchen Tat fähig sind.
    Doch nicht genug, die Leichen wurden letztendlich einfach vergraben oder anders weggeschafft. Als wären sie nichts, haben sie sie von der Welt genommen.
    Niemand hat über Konsequenzen nachgedacht, sowie über deren Angehörige. Für die Täter waren sie nur ,,wertloses Spielzeug“ , doch anderen Menschen lagen die Opfer am Herzen.
    Des Weiteren ist die Tatsache, dass einige ihre Tat als „nicht einmal schlimm “ betrachten und manchmal sogar gutheißen, einfach nicht verständlich.
    Dieses Gefolgsschaftsfest hat sich außerdem auf ganz Rechnitz ausgewirkt: Die Einwohner lebten in Angst und wurden zum Schweigen gebracht.
    Es ist zwar äußerst interessant mehr über diese Geschehnisse in Erfahrung zu bringen, doch zugleich wirklich hart über diese grausame Geschichte zu lesen und sich damit zu befassen.

  7. Philipp permalink

    Was bringt einen Menschen dazu solche Dinge zu tun? Was bringt eine ganze Gruppe dazu solche Dinge zu tun? Führt das eine einfach zum anderen, wurde überhaupt nachgedacht oder haben diese Menschen nur im Suff agiert? Eins steht fest, es ist unverzeihlich, was in jener Nacht passiert ist. Wieso schweigen und nicht versuchen die Wahrheit ans Licht zu bringen? Liegt denen, die möglicherweise etwas über die Ereignisse wissen, nichts daran es zu sagen. Liegt es ihnen nicht am Herzen die Wahrheit auszusprechen? Wieso wird geschwiegen und verschwiegen? Es reicht eine Aussage und wir wissen mehr, mehr über diese grausamen Ereignisse. Zum Glück wird heute nicht mehr darüber geschwiegen, was damals passiert ist. Zum Glück gibt es Menschen, die Verborgenes ausgraben wollen und über das Geschehen schreiben und sprechen. Wenn nicht darüber geschrieben und gesprochen wird, wird sich auch nichts ändern. Das Massengrab muss sich doch finden lassen. Selbst der Aufprall von Asteroiden, die vor Millionen von Jahren auf die Erde trafen, ließ sich eruieren. Eine solche Tat darf und kann nicht verziehen werden. Selbst wenn die Täter an diesem Tag nicht volle Kontrolle über ihren Körper hatten, ihre Taten waren Ausdruck ihrer Gedanken. Das, was sie getan haben, ist Ausdruck dessen, wie simpel diese Menschen gedacht haben müssen. Das Schwarz-weiß- Denken, die Unterteilung in gut und böse, hier das deutsche Volk und dort die Nicht- Arier, mündet in ein blindes Annehmen dieser Doktrin. Es ist einfach unvorstellbar, welch grausame Ereignisse diese Zeit mit sich gebracht hat. Es ist nicht einmal im Geringsten möglich nachzuvollziehen, unter welchen Umständen die Juden gelebt haben müssen. Es bleibt einem lediglich die Möglichkeit es zu versuchen. Versuchen ist besser als nichts zu machen und so zu tun, als wäre nichts geschehen.

  8. Karim permalink

    Bei der Lektüre der Artikel über Rechnitz war ich zunächst etwas distanziert, weil ich ja jeden Tag von traurigen Schicksalen oder von verrückten Morden höre bzw. lese, die jetzt passiert sind und nicht vor 65 Jahren. Als ich dann las, dass die Opfer arbeitsunfähige und schwache Menschen waren und sie nur getötet wurden, weil sie nicht arbeiten können und weil die Nazis besoffen waren, war ich aufgrund dieser Sinnlosigkeit bestürzt.
    Weiters schockierte mich die Art und Weise, wie sie getötet wurden, denn es ist wirklich unmenschlich Leute wie Tiere bei einer Jagd umzubringen.
    Ein Detail, welches mich persönlich schockierte, ist, dass die Nazis ein paar Gefangene leben ließen, damit diese die Leichen vergraben, aber diese schließlich auch ermordeten.
    Nun zu heute. Ich begann mich für diese Geschichte besonders zu interessieren, als ich erfuhr, dass sich selbst heute fast niemand traut, sich über die damaligen Ereignisse zu äußern, weil sie in Rechnitz befürchten, dass sie dann „bestraft“ werden. Das fand ich interessant, weil ich mir die Frage stelle, wer dahinter steckt, dass die Rechnitzer heute noch Angst haben, wenn sie über den Vorfall sprechen.

  9. Bianca permalink

    Das Erste, was ich fühle, wenn ich über Rechnitz nachdenke, ist einfach Ungläubigkeit. Es fällt mir, (wo ich doch immer auf das Gute im Menschen hoffe…) so schwer zu glauben, dass es wirklich Leute gegeben hat, und immer noch gibt, die so böse, so schlecht sind, dass sie, quasi als „Partyeinlage“, so etwas unbegreiflich Schreckliches machen. Es macht mich im Grunde traurig zu sehen, dass die Leute nie, nie wirklich aus ihren Fehlern lernen, wie wir an der Weltgeschichte sehen, und die Menschen immer noch Kriege gegeneinander führen. Das Einzige, was sich wirklich ändert, ist die Art und Weise, wie wir Kriege führen. Wir töten immer noch, nur eben ein bisschen anders, moderner, nicht mehr mit Knüppeln und Speeren wie in der Steinzeit, mit Schwertern und Lanzen wie im Mittelalter. Heute haben wir Massenvernichtungswaffen, die effizient sind und deren einziges Ziel ist, das Leben möglichst vieler Menschen zu zerstören. Eigentlich möchte ich, wenn ich daran denke, am liebsten weinen. Gaskammern, Maschinengewehre… Wenn ich solche Artikel lese, Webseiten wie http://www.kreuzstadl.net sehe, all diese Berichte über den Krieg lese, dann zweifle ich an diesem „Guten“ im Menschen. Wer so etwas macht, der kann nicht gut sein, oder? Ich finde es so beängstigend zu wissen, was die Menschen auf dieser Erde schon alles getan haben, wozu so viele schon fähig gewesen sind und wahrscheinlich, in vielen Fällen, weiterhin sein werden. Aber das sind alles unbeantwortete Fragen, die ich mir auch schon mit 8, bei der Lektüre meines Langzeitlieblingskinderbuchs „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“, gestellt habe. Und ich weiß, dass ich all diese Fragen auch in meinem weiteren Leben immer wieder stellen und nie eine ausreichende Antwort erhalten werde. Ich werde unsere Gesellschaft immer fürchten, ich werde immer Angst haben, auf die Straße zu gehen (eben heute, am Nachmittag, im 9. Bezirk, einer an und für sich sicheren Gegend, ist mein kleiner Bruder überfallen worden. Ihm ist nichts passiert, aber trotzdem: was ist das für eine Gesellschaft, für eine Welt, wo man sich fürchten muss, nachmittags im Frühling einen Spaziergang zu machen? Wo einem vierzehnjährigen Jungen gedroht wird, man würde ihn „abstechen“, wenn er nicht sofort 100€ „herausrücke“?), ich werde mir immer dieselben Fragen stellen: warum tun wir so etwas? Wie konnten wir es jemals so weit kommen lassen? Wie kann man einen Teil der Menschheit so verachten, dass man ihn ausrotten will, so wie man Insekten vertilgt? Wie können Leute auch 65 Jahre nach dem größten Verbrechen der Geschichte dazu schweigen, und wie können sie, Tag für Tag, mit sich selbst und diesem Geheimnis leben? Ich kann es nicht verstehen, und Tränen der Wut schießen mir in die Augen, jedes Mal, wenn ich daran denke. Nach allem, was die jüdische Bevölkerung während dieses Krieges durchmachen musste: verdient sie jetzt nicht endlich Gerechtigkeit? Einen Ort der Trauer, wo die Opfer jener Nacht bestattet werden? Können die Österreicher, von denen doch so viele damals am Heldenplatz Hitler zujubelten und den Anschluss begrüßten, nicht endlich, endlich zu ihrer Nazivergangenheit stehen und sich der Wahrheit stellen, damit den Opfern ein Denkmal gesetzt werden kann? Umso wichtiger ist es, denke ich, dass wir, wir Jungen, versuchen, jene Geheimnisse zu erforschen und laut auszusprechen, die die älteren Generationen nur zu gerne verschweigen (ob aus Scham oder Angst, ich weiß es nicht). Wir können ein Wiederholen dieses Albtraumes nur dann verhindern, wenn wir über diese schrecklichen Morde Bescheid wissen.

  10. Samy permalink

    Bei der Lektüre der beiden Artikel war ich sehr interessiert, denn bevor ich sie gelesen hatte, wusste ich nur sehr wenig über die Geschehnisse in Rechnitz.
    Ich war geschockt darüber, dass über 180 Menschen sozusagen als „Party-Einlage“ umgebracht wurden. Aber das, was mich am meisten erstaunte, war, dass die Täter, hochrangige NS-Funktionäre, achtzehn der arbeitsunfähigen KZ- Insassen „verschonten“, um die Erschossenen zu begraben. Am nächsten Morgen wurden auch diese achtzehn „Totengräber“ erschossen.
    Ich wunderte mich, als ich las, dass sogar Frauen an diesem Massaker teilnahmen.
    Es ist erstaunlich, dass sogar heute noch in Rechnitz keiner über die Geschehnisse von 1945 reden möchte.
    Ich fand es sehr mysteriös, dass keinem bekannt ist, wo das Massengrab der Erschossenen liegt, obwohl der Ort Rechnitz im Südburgenland eher klein ist.
    Meine Gedanken bei der Lektüre waren also eher voller Fragen und Verwunderung, denn die Geschehnisse und das heutige Verhalten der Rechnitzer Einwohner ist sehr mysteriös. Auch die Umstände der Ermordungen waren überaus schockierend.
    Ich habe mich nach der Lektüre gewundert , dass ich, als Österreicher, nichts darüber wusste.
    Es stellen sich also viele Fragen über Rechnitz, so wie jene, wie man das Massaker so lange vertuschen konnte und welche Leute noch damit zu tun haben und höchstwahrscheinlich auch bestraft gehören.

  11. Lola permalink

    Wie viele, ich gehe sogar soweit zu behaupten, wie die meisten, wusste ich bis vor kurzem nichts über Rechnitz. Vielleicht wusste ich gerade einmal, dass es ein Ort im Burgenland ist, aber nicht einmal da bin ich mir sicher.
    Als ich vor wenigen Wochen erfuhr, was in diesem Ort vorgefallen ist, stieg in mir eine Art Schamgefühl hoch. Ich schämte mich dafür, nichts darüber zu wissen. Aber nicht nur dafür. Es war ein Schamgefühl, wie man es verspürt, wenn man sich dafür schämt ein Mensch zu sein. Das zu sein, was diese grausamen Mörder waren, derselben Spezies anzugehören. Ihnen auch nur annähernd zu gleichen, diesen Nazis und jenen, die geschwiegen haben oder es gar geleugnet haben. Ich bin mir nicht sicher, dass es normal ist, dass ich mich geniert habe – mich nicht wohl gefühlt habe – noch bevor in mir Grauen und Hass, Mitgefühl und Trauer aufkamen. Dennoch war es so.
    Dazu mischten sich dann Hass und Verabscheuung gegenüber den Tätern. Warum, liegt wohl auf der Hand… Immer mehr Gefühle kamen hinzu. Es war wie damals, als ich das erste Mal von Konzentrationslagern gehört habe. Damals war ich noch klein und ich habe es nicht ganz verstanden, aber es hat mich beschäftigt und sehr bewegt.
    Ich muss sagen, dass ich, obwohl ich mich für mein Alter sehr viel mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt habe, eine Art Abscheu einem Großteil der damaligen Bevölkerung entgegen bringe. Ich schaffe es nicht, diese Leute zu verstehen, die andere verraten und getötet haben. Mittlerweile geniere ich mich auch schon manchmal, wenn ich mich dabei ertappe, wie ich versuche, mich in deren Situation und Köpfe zu versetzen.
    Was in Rechnitz anders ist, ist, dass es bis heute nicht aufgedeckt wurde. Außerdem ist es ja doch so, dass viele Rechnitzer sich tatsächlich heute noch weigern, dabei zu helfen, die Wahrheit aufzudecken und das Massengrab zu finden, in dem 180 Menschen liegen, denen ein Grab und eine Beerdigung gebührt, und die mehr Leid erlitten haben, als ich es mir jemals vorstellen kann.

  12. Baladine permalink

    – Unmenschlich
    – Unverständlich
    – Feige: Das Schweigen der Bewohner.
    – Ungerechtigkeit: Die Mörder wurden verschont.
    – Geheinmnisvoll (und zwar auf beängstigende Weise)
    – Ich habe gelacht, weil es so grausam ist, dass es erfunden erscheint.
    – Traurig, wozu die Menschen fähig sind.
    – Die Schuld trifft alle-sowohl die Mörder als auch die, die schweigen, denn sie sind die Ursache, weshalb es keine Gerechtigkeit den Opfern gegenüber geben konnte.
    – Unrealistisch: Kein Grab gefunden? Da steckt etwas Makaberes dahinter…
    – Äusserst beängstigend, da es der Wahrheit entspricht.
    – Ich würde der Sache so gern auf den Grund gehen, verstehen, wieso Menschen so handeln.
    – Ausrede war, dass alle aus Angst geschwiegen haben: Die Opfer schrien in dieser Nacht auch aus Angst, doch es half ihnen genauso wenig wie das Schweigen der Leute heute, es ist wie ein zweites Todesurteil.
    – Es macht mich aggresiv und wütend, es ist zum Verzweifeln.
    – Ich würde die Mörder so gerne leiden sehen.
    – Ich würde die Richter so gerne auslachen können, weil sie so nutzlos waren.
    – Es ist: „Der Schrecken hat ein menschliches Gesicht.“
    – Man fühlt sich selbst irgendwie eigenartig, weil man nichs tun kann.
    – Es ist so schrecklich, dass es schon beinahe wie ein böser Witz klingt.
    – Ich will verstehen, wieso geschwiegen wurde.
    – Ich will herausfinden, was mit den Leichen geschah.
    – Ich habe Angst, dass es noch einmal geschehen könnte.
    – Es scheint so weit weg-und doch haben unsere Großeltern zu dieser Zeit gelebt.
    – Wie konnte es nur so weit kommen ?

  13. Heidrun Menning permalink

    In Rechnitz lebten einmal hunderte Juden, es gab eine Synagoge, Schule, und es gibt noch eine Judengasse sowie einen Judenfriedhof, neben dem ich aufgewachsen bin. Es stimmt mich immer wieder traurig, dass dieser doch so wunderschöne Ort von solch einer schrecklichen Vergangenheit geprägt wird. Seit meiner Kindheit wünsche ich mir, dass die Gräber endlich gefunden werden, damit die ermordeten ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter ihrer Religion gemäß bestattet werden können, ihre Seelen Ruhe finden mögen und auch der Ort Rechnitz einmal zur Ruhe kommt. Denn man kann doch nicht einfach alle Menschen im Ort abstempeln……. Die wenigen Wissenden haben ihr Geheimnis mit ins Grab genommen, und es bestehen kaum Chancen, dass noch Menschen leben, die wirklich etwas Konkretes wissen. Da in den Nachkriegstagen Leute umgebracht wurden, die mit dem Massenmord zu tun hatten, war damals klar, dass Reden tödlich sein konnte. Warum dann in den letzten Jahrzehnten niemand redete, verstehe ich nicht. Aus dritter Hand habe ich folgende Möglichkeiten der Massengräber: 1. am Waldrand …? 2. im Schlosspark (damals wurden angeblich Wege ausgegraben) oder 3. nördlich des Kreuzstadls, wo heute bebautes Gebiet ist

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