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Wer ist Elfriede Jelinek?

by - April 17, 2010

Nein, an dieser Stelle tragen wir keine Lebensdaten der österreichischen Autorin zusammen. Wer einen Lebenslauf lesen möchte, braucht nur zu googeln: Viel Spaß auf Wikipedia! Weitere wichtige Links findet Ihr in der Menüleiste rechts, weitere werden folgen!

Untenstehend bloggen wir unsere Erlebnisse, wann und wo uns Elfriede Jelinek zum ersten Mal in unserem Leben „begegnet“ ist.

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9 Kommentare
  1. Bella permalink

    Ich habe den Namen Jelinek das erste Mal letzten Mai gehört, 2009. Freundinnen waren bei mir und wir machten uns einen gemütlichen Abend. Wir beschlossen uns einen Film anzusehen und eine Freundin griff nach dem Film „Die Klavierspielerin“ im DVD-Regal meiner Mutter. Den Film haben wir uns dann angeschaut. Er schockierte uns alle und widerte uns teilweise an (Erika, die Hauptfigur, verletzt sich selbst im Intimbereich, spannt Liebespärchen beim Geschlechtsverkehr nach etc).

    Von Rechnitz habe ich, ehrlich gesagt, davor noch nie etwas gehört. Dass es ein Ort in Österreich ist eventuell, aber nicht mehr. Ich denke, dass viele Österreicher mit dieser provokanten Art Jelineks nicht klarkommen. Der eine sieht sie als pervers, gestört, krank. Ein anderer wiederum erkennt in ihr eine wahrhaft talentierte Künstlerin. Die Meinungen teilen sich und es ist schwer zu sagen, was man denkt. Ich persönlich finde ihre Themen in erster Linie auch teilweise schockierend, vor allem wie sie damit umgeht, jedoch, auf den zweiten Blick, muss man sagen, dass es mutig ist solche Themen anzusprechen und es heutzutage nicht mehr derart „abnormal“ erscheinen sollte, obszön, provokant oder vulgär zu (be)schreiben. Außerdem ist sie ja international bekannt und das sicher nicht ohne Grund.

    Michael Haneke, der dieses Jahr für den Oscar nominiert war für „Das weiße Band“ und für diesen Film bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, war für die Verfilmung von „Die Klavierspielerin“ verantwortlich. Auch daran, würde ich meinen, erkennt man das Level, auf dem sie sich befindet. Sie ist nicht bloß eine „verrückte“ Schriftstellerin, die ihre Fantasien oder einen Wahn niederschreibt, sondern spricht bestimmte Themen gezielt an, auf eine Art und Weise, die den Leser quasi „zwingt“ nicht wegzuschauen, sondern die Hauptaussage zu erkennen und darüber nachzudenken. Schock ist noch immer das beste Mittel, um Menschen zum Nachdenken zu bringen.Über ihre Fähigkeiten als Dramaturgin kann ich leider nichts sagen, da ich noch nie ein Stück von ihr gesehen habe… Dafür machen wir ja auch diesen Workshop, um mehr zu erfahren!

  2. Bianca permalink

    Elfriede Jelineks Namen kenne ich schon lange (das heißt: für meine 17 Jahre ist es „lang“), bestimmt schon 7 oder 8 Jahre lang, weil bei uns zu Hause im Regal „Die Klavierspielerin“ (glaube ich) steht und ich, im Vorbeigehen, ihren Namen aufgeschnappt habe. Reingelesen habe ich aber immer noch nicht (wird wohl Zeit..?)

    Wenn ich ihren Namen höre, muss ich zuerst an Marcel Reich-Ranitzkis Literarisches Quartett denken (weil wir letztes Jahr im Deutschunterricht mal einen Ausschnitt davon gesehen haben, wo eines ihrer Bücher besprochen wurde…). Außerdem muss ich an Thomas Bernhard denken, weil sie (so viel ich weiß), wie er, ihren Finger immer auf den wunden Punkt der österreichischen Geschichte legt, der von uns Österreichern totgeschwiegen wird, um die Verantwortung nicht übernehmen zu müssen, weshalb, schätze ich, viele Österreicher nicht mit ihr klarkommen. Außerdem ist, was sie schreibt, anscheinend anstrengend, schwer, unschön, etwas, das man lieber nicht wissen und lesen möchte.

  3. Schülerin3 permalink

    Elfriede Jelinek ist eine unbequeme Autorin. Sie nimmt sich unangenehmer Themen an, “heiße Eisen” fasst sie an, das Massaker von Rechnitz zum Beispiel.

    Dabei schaut sie vor allem der Sprache auf den Mund, hinter der sich schreckliche Wahrheiten verschanzen. Wie die Dinge beredet, zerredet und beredt verschwiegen werden, zeigen ihre Werke auf. Aber nicht nur die jüngere österreichische Vergangenheit kommt bei ihr zur Sprache, gerade schreibt sie ein Stück über die Hypo-Affäre.

    In Österreich gilt sie vielen als “Nestbeschmutzerin”, sie selbst hat aus dem Hass, der ihr hierzulande vielerorts entgegenschlägt, die Konsequenzen gezogen. Die Aufführungen ihrer Stücke finden im Ausland (Münchner Kammerspiele z.B.) statt und kommen höchstens als Gastspiele, dieses Jahr im Rahmen der Wiener Festwochen, nach Österreich.

  4. Kenny permalink

    Ich hatte noch keinen Kontakt mit dieser Person und habe noch kaum Informationen über sie erhalten. (Wobei ich hoffe, dass sich das bald ändern wird.) 😉

  5. Baladine permalink

    Ich habe weder den Namen Jelinek, noch Rechnitz jemals zuvor gehört, ich habe den Film „Die Klavierspielerin“ nicht gesehen. Das macht viele „nicht“ in einem einzigen Satz, aber es entspricht nun mal der Wahrheit. Als ich den Namen „Rechnitz“ zum ersten Mal hörte, war dies in der Klasse, als madame p. ihn aussprach – Dasselbe gilt auch für den Namen von Frau Jelinek. Der Name „Rechnitz“ erinnerte mich an vieles. Gedankenverloren dachte ich darüber nach, was dieses geheimnisvolle Wort wohl bedeuten könnte: eine Person? ein Schriftsteller? ein Buch? ein Spitzname für ein besonderes Ereignis? Und schließlich der Name einer Stadt. Nun ja, viel mehr kann ich nicht wirklich dazu sagen, außer dass ich sehr darauf gespannt bin, dorthin zu reisen, jetzt, wo ich weiß, was „Rechnitz“ ist, wo es genau liegt und weshalb es so wichtig ist.
    Jelinek war anfangs für mich „nur“ eine weitere Autorin, deren Werk wir bald lesen würden. Viel mehr interessierte mich das eigentliche Ereignis. Wir hören viele Nazigeschichten, dieser Teil der Geschichte ist uns mittlerweile bekannt und darf auf keinen Fall vergessen werden. Das Massaker von Rechnitz jedoch ist relativ unbekannt (zumindest außerhalb von Österreich), ein weiterer grausamer Vorfall, es gab doch so viele zu dieser Zeit. Was aber noch viel beunruhigender ist, ist meiner Meinung nach das Geheimnis, das die Bewohner der Stadt daraus machen. Dieses Schweigen kommt mir wir ein zweites Todesurteil vor, denn dadurch, dass alle Angst davor haben, es auszusprechen, wird es nur noch schlimmer, und den Opfern wird keine Gerechtigkeit ermöglicht. Es ist feige, es ist absurd und unmenschlich. Hatten die Opfer in jener Nacht nicht ebenfalls Angst? Diese half ihnen jedoch nicht weiter. Die Tatsache, dass die Bewohner der Stadt lieber ihre Augen verschließen, als den Fall wieder aufzurollen, beweist, dass anscheinend auch sie sich schuldig fühlen. Schuldig, die Schreie überhört zu haben, schuldig, nichts unternommen zu haben. Der kürzere Weg ist zwar der leichteste, jedoch nicht der beste.
    Dass Jelinek sich dieses Ereignisses so annimmt, finde ich sehr mutig und bewundernswert. Sie will wissen, wieso, sie will das Schweigen endlich brechen und die Tat in die Welt hinaus schreien. Es macht Angst, zu wissen, dass Menschen zu solchen Taten und Untaten fähig sind. Es ist erschreckend, dass nicht ein einziger Mensch aus dem Dorf versucht hat, es aufzuklären. Es wurden zwei Zeugen umgebracht. Ein Gendarm,der Nachforschungen angestellt hat, wurde „mundtot“ gemacht. Das Massengrab wurde nicht gefunden, unwahrscheinlich bei den technischen Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen.
    Meiner Meinung nach ist dieses Projekt wichtig, denn wir sind die Zukunft, und wir dürfen nicht vergessen, was einst geschehen ist und wozu Menschen in der Lage sind. Es ist eine Herausforderung und es benötigt etwas Mut, sich des Themas anzunehmen, denn es ist nun mal verstörend, und oft ist es leichter, das Buch zuzuklappen oder wegzuschauen. Doch dieses Projekt hilft uns dabei, uns unsere eigene Meinung bilden zu können, uns selbst zu informieren, aufregende Dinge erleben zu können, indem wir uns mit einem „Geheimnis“ beschäftigen. Ich hoffe, dass wir Frau Jelinek Ehre erweisen können, indem wir alle dieses Projekt mit vollem Eifer verfolgen.

  6. maria s. permalink

    Mir ist Elfriede Jelinek das erste Mal als „Bild“ begegnet (ich glaube in einer Zeitung), auf einem Foto, das sich irgendwie eingebrannt hat: ihr Gesicht, ihre Frisur und ihr fester Blick – „sie schaut“. Und so wie sie schaut, sehe ich sie auch: als jemand, der wirklich hinschaut, aktiv, nicht dran vorbei oder eben mal darüber hinweg, sondern sehr genau, immer weiter und tiefer „untersucht“ sie ihren Gegenstand. Und genau mit dieser Haltung schafft sie es, dass man auch hinsehen muss – obwohl man das vielleicht gar nicht wollte oder will, weil es ein tatsächliches Problem ist, nicht (gut) erfunden sondern real. Das spaltet vermutlich auch die Meinungen und Gemüter über sie, denn angenehm oder bequem macht sie es einem damit nicht.

  7. E-Lisa

    Elfriede Jelinek hat 2004 den Literaturnobelpreis erhalten. Sie befindet sich durchaus auf einem „Level“ mit Michael Haneke, der im Grunde ja ähnlich wie sie verfährt, auch seine Filme thematisieren Unangenehmes, Verdrängtes (ce qui est „Caché“) und verstören zunächst einmal.Und „Rechnitz“ kann ja eigentlich als die Fortsetzung von „Das weiße Band“ gelesen werden.

  8. Karim permalink

    Ich kannte ihren Namen schon, bevor wir begonnen haben uns mit dem Thema „Rechnitz“ im Unterricht auseinanderzusetzen. Ich kannte aber keines ihrer Werke und wusste sonst eigentlich nichts über sie…

  9. Lola permalink

    Jelinek. Diesen Name, welcher Österreicher kennt ihn nicht? Den Namen der Nobelpreisträgerin. Der Frau, die das aufgreift, was andere vor ihr mit Furcht und Vorsicht beiseite geschoben haben. Sei’s drum, ob man ihren Namen von den Eltern, Freunden, Lehrern, dem Fernsehen oder dem Radio kennt – gehört hat man ihn schon. Wenn es tatsächlich von Belang ist, kann auch ich sagen, wo ich den Namen Jelinek zum ersten Mal gehört habe. Ich habe ihn bei einem Gespräch meiner Eltern aufgeschnappt: mein Vater war soeben vom Friseur zurückgekommen, den er schon seit Jahren kennt, und hat meiner Mutter erzählt, dass es auch Jelineks Friseur ist. Daraufhin haben sie über ihre Werke gesprochen. Auf der einen Seite mein Vater, der leidenschaftlich gerne Goethe liest, und auf der anderen Seite meine Mutter, die Abteilungsleiterin einer Bibliothek ist. Meine Mutter war der Meinung, dass es zwar sehr interessante Bücher sind, aber keine angenehme Lektüre. Mein Vater gab ihr Recht (wie so oft), meinte aber auch, dass es gerade das war, was sein Interesse an ihren Werken geweckt hätte.
    Ab da habe ich schon nicht mehr zugehört oder die Erinnerung verdrängt oder ganz einfach vergessen. Jedenfalls ist nicht mehr bei mir hängen geblieben, nachdem ich da erst an die elf, zwölf Jahre alt war und kein besonderes Interesse für „anstrengende“ Literatur hatte (ich vermute, dass in dem Moment, in dem dieses Wort gefallen ist, meine ganze Aufmerksamkeit dahin war).
    Mittlerweile habe ich aber doch schon einiges mehr über diese Frau erfahren, wobei ich zugeben muss, dass ich mich noch immer an keines ihrer Werke gewagt habe… Aber ich meine trotzdem zu wissen, dass sie mehr als nur einmal die Unterdrückung der Frau (sei sie sexuell, wirtschaftlich oder anderer Art) und die Manipulation durch Medien und Sprache anspricht. Außerdem kritisiert sie oftmals Österreich (ihr Heimatland). Nun jetzt mag sie auf viele, vor allem Österreicher, sehr unsympathisch wirken, doch ich muss sagen, dass ich vor Jelinek großen Respekt habe. Dass sie von so vielen verachtet wird, liegt, denke ich daran, dass die Menschen Angst haben, von ihr aus ihrer scheinbaren Idylle geholt zu werden. Angst davor, dass sie einem die Maske vom Kopf reißen und das wahre Gesicht zum Vorschein bringen könnte. Also denke ich, dass der Hass, der ihr entgegen gebracht wird, ein Zeichen dafür ist, dass die Menschen etwas zu verbergen haben.
    Wäre dem nicht so, würden vielleicht weniger Menschen sie verachten, bzw. fürchten.

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